Pablo Software Solutions
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Seit meinem 13. Lebensjahr hat mich die Fotografie in ihren Bann gezogen. Zu DDR-Zeiten war die Schwarz-Weiss-Fotografie weit verbreitet, da Farbfilme, insbesondere Farbabzüge sehr teuer waren.
Alles fing damit an, dass ich auf dem Dachboden ein altes verstaubtes Gerät entdeckte und meine Mutter fragte, was das wäre? Sie sagte, es wäre ein Vergrösserungsapparat, und wir hätten auch noch andere alte Gerätschaften zum Entwicklen von Bildern, die allesamt noch funktionstüchtig wären, trotz der vielen Jahre, die sie auf dem Buckel hätten. Und so war es auch.

Fortan wurde mitunter mehrmals in der Woche das kleine Badezimmer zur Dunkelkammer umgerüstet: Dicke schwere Wolldecken wurden mit vielen grossen Holzklammern an die Gardinen geklemmt, damit das Fenster abgedunkelt war (Rollos hatten wir keine), der Vergrösserungsapparat, Marke Opemus, wurde auf die Waschmaschine gehievt, daneben auf der Kommode (deren Oberfläche in den kommenden Jahren tüchtig gelitten hat) drei flache Schalen positioniert: Entwickler, Wasserbad, Fixierer (die Chemikalien konnte man für relativ kleines Geld in der Drogerie kaufen, das Pulver wurde dann mit Wasser verrührt, dann war die Lösung fertig). Neben den Opemus passten gerade noch eine kleine Rotlichtlampe und die Belichtungsuhr - natürlich noch alles manuell, mit Wählscheibe. In die Badewanne wurde ebenfalls Wasser eingelassen, damit in den kommenden Stunden, zumeist über Nacht, die Bilder wässern konnten, damit sie später nicht vergilben würden. Kurz..... das Bad war von normalen Menschen nicht mehr betretbar. Und zum wohl einzigen Mal war man froh, dass das Klo eine halbe Treppe tiefer im Hausflur war. Wenn die Fotokammer  fertig war, stand ich stundenlang im düsteren Rotlicht und zog den Film Stück für Stück über die Maske, Belichtungsdauer war reine Gefühlssache, faszinierend war es zu sehen, wie in der Entwicklerlösung ganz allmählich die ersten Konturen der Fotos entstanden, und dann Stück für Stück ein Bild daraus wurde. Manchmal, nach stundenlanger Arbeit, meinte man fast zu halluzinieren durch den in dunkles Rot getauchten Raum und die schemenhaften Landschaften, Häuser oder Gesichter, die langsam auf einem zuvor weissem Blatt Fotopapier auftauchten.

Nicht viel weniger abenteuerlich gestaltete sich übrigens das vorherige Entwickleln des Films. Ich ließ mich mitsamt der Filmdose, einer schwarzen Entwicklerdose und ein paar Metern Plastikband in den Kleiderschrank einsperren und habe dort, in totaler Finsternis und ebenso totaler Enge zwischen Kleidern und Mänteln, den Film zusammen mit den Plastikbank (als Abstandhalter) auf die Entwickler-Spule geleiert und das Ganze dann in die Dose gesteckt, Deckel drauf, fertig. Erst dann durfte die Schranktür wieder geöffnet werden. Dann wurde zuerst Entwicklerlösung oben durch ein Ventil in die Dose geschüttet, die nach einer bestimmten Zeit wieder ausgekippt wurde, eine kurze Spülung mit Wasser folgte, und ganz zum Schluss wurde mit Fixierlösung der Film  fertiggestellt.

Viele Jahre später, als ich einen nagelneuen Opemus geschenkt bekam und der alte ausrangiert wurde, hat es mich heimlich gefreut zu sehen, dass das alte Gerät nur wenige Minuten auf dem Sperrmüll stand, kurz darauf hat es sich der Nächste an Land gezogen. Ich hoffe, mein erster Opemus hat noch viele lange Jahre in guten Händen treue Dienste geleistet.

Nach der Wende wurde die Schwarz-Weiss-Fotografie teuer bzw Farbfotoabzüge kosteten plötzlich nicht mehr 2 Mark (!) pro Bild. Und ein paar Jahre später hielt die Digitalfotografie Einzug. Ich habe in den folgenden Jahren diverse Digitalkameras gekauft, und meine Freude am Festhalten von Momenten erlebte eine Renaissance.
Zu den Fotos geht es hier.